Wabi-Sabi – eine Ofengeschichte mit Spuren

Wabi-Sabi – eine Ofengeschichte mit Spuren

Ein individuell gefertigter Ofen kann oft eine Geschichte erzählen. Traditionelles Handwerk und eine traditionelle Lebensphilosophie ergänzen sich ideal. Entstanden ist eine zweiteilige Anlage mit Kachelofen und Kochherd.

Dieses Ofenunikat wurde für weit gereiste Kunden entworfen, welche sich aufgrund ihres beruflichen und privaten Werdegangs (Teehandel) eng mit der japanischen Kultur auseinandersetzen. Die Wertschätzung für die Natur und das Ziel, in Harmonie mit ihr zu leben, ist ein zentraler Aspekt der japanischen Ästhetik-Konzepts Wabi-Sabi. Die japanische Kultur betont traditionell die Verbundenheit mit der natürlichen Welt, und Wabi-Sabi verkörpert dieses Prinzip durch seine Präferenz für Materialien, Farben und Formen, die die Natürlichkeit und Unregelmäßigkeiten der Natur widerspiegeln. In der Kunst und im Handwerk hat Wabi-Sabi einen großen Einfluss, insbesondere in Bereichen wie Keramik, Architektur, Gartenkunst und der Teezeremonie. Kunstwerke und Objekte, die Wabi-Sabi verkörpern, sind oft handgefertigt, zeigen Spuren der Handarbeit und betonen natürliche Materialien und Texturen. Diese Objekte sollen auch eine tiefere Bedeutung tragen und eine persönliche Geschichte haben. Wabi-Sabi fördert Werte wie Gelassenheit, innere Ruhe und eine tiefe Wertschätzung für das, was man hat. Indem es die Schönheit in der Unvollkommenheit anerkennt, ermutigt es zu einer Lebenshaltung, die Stress und die ständige Suche nach Perfektion reduziert – ein Gegenmittel also gegen das hektische, moderne Leben, indem es zu einer bewussteren, achtsameren Lebensweise anregt.

Die Ofenanlage wurde als zentrales Element im Wohnhaus integriert, Kachelofen und Kochherd bilden mit der Wand eine Einheit. Die Feuerstätte übernimmt die Funktion des Wärmespenders und der Kochstelle. So bildet der Küchenblock mit integrierter Gaskochstelle und Dunstabzug (inkl. integrierter Zuluft-Lösung) gleichzeitig auch die Rückwand des Kachelofens. Der Kachelofen kann als Nachheizfläche des Holzkochherdes genutzt werden, um eine Rundumabgabe der Strahlungswärme zu erreichen. Die schlichte Koch-Werkbank ist aus roh belassenem (geölten), warmgewalztem Rohstahl gefertigt. Der in die Wand führende wohnzimmerseitige Kachelofen wurde aus handgefertigten Ofenkacheln erstellt – jede Kachel ist dadurch anders und lässt den Betrachter immer wieder Neues entdecken. Das natürliche Muster in der Profilierung der lederharten Kacheln entstand durch den Herstellungsprozess mit einer über 100-jährigen, handgefeilten Bodenwalze aus Bronze, die einzigartigen Spuren auf den Kacheln hinterlässt.

Die transparente Anthrazitglasur auf einheimischem, weiß engobiertem roten Ton lässt das Farbspiel je nach Tageslicht anders zur Geltung kommen. Wichtig für das Team rund um den Ofenbauer Tobias Rutz war es, traditionelle Kacheln mit Stumpf, auch Rumpf genannt, und umlaufenden Ecken herzustellen. „Ein ‚gefliester‘ Ofen mit Fugen in den Ecken hätte nicht dieselbe Ausstrahlungskraft und Ruhe ausgelöst“, so Tobias Rutz aus dem schweizerischen Dietfurt. Ruhend auf massiven Kufen aus Schwarzblech ist der Ofen Möbel und architektonischer Teil des Hauses zugleich. Die beiden Feuerstellen wurden in massiver Bauweise erstellt, speichern die Wärme über längere Zeit und geben diese als angenehme Strahlungswärme ab.

Das Urteil der Jury: Die Gestaltung moderner Kachelöfen und Kaminanlagen ist eine Aufgabe, die so individuell ist wie die Menschen, für die sie gebaut werden. Das trifft besonders auf diese kombinierte Anlage mit Kachelofen und Kochherd zu. Tobias Rutz hat seinen Bauherren genau zugehört und wird dabei nicht nur zum Designer, zum detailverliebten Ofenbauer und innovativen Techniker, sondern auch zu einem Erzähler, der mit seinem Entwurf eine eigene Geschichte schreibt.

Tobias Rutz, Dietfurt, Schweiz
www.holzoefe.ch